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Ausstellung "Wer waren die 999er?" (1)

Gründungsvorbereitungen

Im Verlaufe des Sommers 1942 hatte die Okkupation Hitler-Deutschlands in Europa die größte Ausdehnung erreicht. Deutsche Soldaten standen an den Pyrenäen und am Ärmelkanal, am Nordkap, vor Leningrad und in Stalingrad, im Kaukasus und auf der Krim sowie auf dem Balkan und selbst vor EI Atamein, in Ägypten.

Nunmehr erkannte die faschistische Führung, dass ihr zugleich durch den fortschreitenden Verschleiß dieses Krieges und vor allem durch die im ersten Jahr nach dem Überfall auf die Sowjetunion entstandenen gewaltigen Verluste an Menschen und Material gravierende Risiken entstanden waren.

Allein an der Ostfront bestand ein Fehl von 625.000 Mann, und die dort eingesetzten Divisionen verfügten überwiegend nur noch über 35 bis 50 Prozent ihrer infanteristischen Hauptkräfte.

Unter den daraufhin ergriffenen rigorosen Maßnahmen war u.a. auch die Mobilisierung von bisher "Wehrunwürdigen" als Kanonenfutter für die angeschlagene Deutsche Wehrmacht.

Wehrunwürdig und damit ausgeschlossen von der Erfüllung der Wehrpflicht war, wer

  1. mit Zuchthaus bestraft ist,
  2. nicht im Besitz der bürgerlichen Ehrenrechte ist,
  3. den Maßnahmen der Sicherung und Besserung nach § 42 a des Reichsstrafgesetzbuches unterworfen ist,
  4. durch militäerichtliches Urteil die Wehrwürdigkeit verloren hat,
  5. wegen staatsfeindlicher Betätigung gerichtlich bestraft ist.

(Aus dem § 13 des Wehrgesetzes vom 21. Mai 1935)

Militärischer Einsatz

Am 2. Oktober 1942 verfügte das Oberkommando der Wehrmacht "die Aufstellung der verst. Afrika Brigade 999 aus ehemaligen Wehrunwürdigen", mit der bereits in den folgenden Tagen auf dem Truppenübungsplatz "Heuberg". auf der Schwäbischen Alb, begonnen wurde.
Hier wurde außer dem Stammpersonal, das sich aus zuverlässigen Offizieren, Unteroffizieren und Mannschaftsdienstgraden zusammensetzte, stets auf ein ausgewogenem Verhältnis zwischen den politisch und kriminell Vorbestraften sowie aus rassischen Gründen Verfolgten geachtet. Der Anteil der politisch Vorbestraften betrug dabei oft nur 30 %; aber auch unter den "Kriminellen" befanden sich relativ viele Menschen, die erst auf Grund der Kriegsbedingungen und der diesen entsprechenden Bestimmungen mit den Gesetzen in Konflikt geraten waren.

Die Vorbehalte der militärischen Stäbe richteten sich jedoch hauptsächlich gegen ehemalige Kommunisten, Sozialisten und Sozialdemokraten, deren mögliche Aktivitäten sie ständig befürchteten.

Nach mehreren Veränderungen der beabsichtigten Einsatzkonzeptionen und zeitweiligem Standortwechsel nach Belgien, Frankreich und Italien, wurden die ersten Einheiten der Afrika-Division 999 im März 1943 in Kairouan und anderen Orten Tunesiens eingesetzt. Hier sollten diese den Rückzug der regulären deutsch-italienischen Afrika-Korps vor einer Einkesselung durch die in Marokko und Algerien gelandeten US-Truppen decken helfen.

Die in Italien noch verbliebenen Reste der Afrika-Division 999 wurden zum Truppenübungsplatz "Heuberg" zurückbeordert, dort in die neu aufgestellten Festungs-Infanterie-Bataillone 999 aufgenommen und ab Ende Mai 1943 in Griechenland als Besatzungstruppen eingesetzt.

Einzelne Bataillone 999 kamen Ende 1943 / Anfang 1944 in der Sowjetunion, am Dnjepr, zum Einsatz. Nach zahlreichen Überläufen zur "Roten Armee" wurden alle politisch Vorbestraften entwaffnet, wieder zur Nachschubbasis, die inzwischen vom "Heuberg" zum Truppenübungsplatz "Boumholder" in der Pfalz verlegt worden war - zurückgeschickt und von dort ebenfalls als Besatzungstruppen in Griechenland eingesetzt.