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Marcel Grünberg:

Die Flamme wird nicht verlöschen

1.030 Frauen und Männer waren es, die vom 23.-25. Oktober 1998 in Chambéry - einer sehr schönen Stadt in Savoyen, einer Hochburg der französischen Résistance - zum Nationalkongress der ANACR (Association Nationale des Anciens Combattants de la Résistance - Nationale Vereinigung der ehemaligen Widerstandskämpfer) zusammenkamen. Eine Zahl, die alle Erwartungen der größten Optimisten übertraf.

Denn darunter befanden sich 618 Teilnehmer an den Kämpfen gegen die Okkupanten, also Frauen und Männer oft in sehr hohem Alter; hinzu kamen 224 "Freunde der Résistance" - ANACR, das sind Menschen meist der Generation der Kinder (um die 50 Jahre), die sich dafür einsetzen, dass die Erinnerung an die Résistance aufrecht erhalten bleibt.

Während die ANACR selbst um die 25.000 Mitglieder zählt, vereinigen sich die verschiedenen Komitees der "Freunde der Résistance" - ANACR (schon fast 9.000 Frauen und Männer). Allerdings sind sie der Meinung, dass es notwendig ist, jüngere Menschen mit einzubeziehen. Deshalb gehen die Bemühungen besonders in Richtung der Preisträger der "Wettbewerbe über die Résistance und Deportation, die jedes Jahr in Oberschulen veranstaltetet werden. Diese jungen Menschen sollen später als Erwachsene mithelfen, das Gedenken weit in das 21. Jahrtausend zu tragen.

In diesem Zusammenhang sollte erwähnt werden, dass der Vorschlag bekräftigt wurde, den 27. Mai zum "Nationalen Tag der Résistance" zu gestalten.

Am 27. Mai 1943 wurde nämlich der CNR (Conseil National de la Résistance - Nationalrat des Widerstandskampfes), selbstverständlich in der Illegalität, gegründet. Ein äußerst wichtiges Ereignis, denn der CNR vereinte über 70 Bewegungen und Gruppierungen sehr verschiedener Strömungen des französischen Widerstandes gegen die Okkupanten. Es wird nun angestrebt, dass am 27. Mai an allen Lehranstalten und Schulen des Widerstandskampfes gedacht wird.

Es waren drei Tage durchdrungen von tief empfundener Treue zu den Idealen von damals (und heute), die sich auch als Liebe zum Vaterland ausdrückt. Dieser Patriotismus paart sich mit einer beeindruckenden Verbundenheit zu den Gegnern der Hitlerdiktatur, vor allem den ehemaligen ausländischen antifaschistischen Mitstreitern. Deshalb auch der tief bewegende Empfang für die italienischen Gäste und meine Person als Vertreter u.a. der DRAFD. Es ist immer wieder erstaunlich, wie die Erinnerung an die Zeit der Nazi-Besatzung und an die Kämpfe für die Befreiung nach so vielen Jahren noch lebendig ist. Das zeigen auch die äußerst scharfen Reaktionen auf die infame Behauptung eines Gollnisch - eines führenden Funktionärs der sogenannten "Front National" von Le Pen, wonach die Widerstandskämpfer mehr Franzosen bei der Befreiung als deutsche Soldaten während des Krieges getötet hätten.

Dieser Nationalkongress der ANACR bestätigte eindrucksvoll die Losung, unter der er stand: "La flamme de la Résistance ne s'éteindra pas" - Die Flamme des Widerstandskampfes wird nicht erlöschen.