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Werner Müller:

Rote Fahnen in Rübezahls Reich

Eine gute Tradition wird wiederbelebt

Internationale Solidarität war und ist ein wesentliches Markenzeichen sozialistischer Bewegung, das sie durch ihre ganze bisherige Geschichte begleitet und unter dem viele rühmliche Kapitel völkerverbindender Aktivität geschrieben wurden. Zu diesen Kapiteln gehören jene Grenztreffen zwischen Vertretern der deutschen und tschechischen revolutionären Arbeiter, die in den Jahren 1922 und 1933 an der damaligen deutsch-tschechischen Grenze im Riesengebirge stattfanden, insgesamt acht an der Zahl. Sie gewannen zunehmend an Gewicht.

Wenn beim ersten Treffen am 3. Oktober 1922 noch nur 250 Teilnehmer gezählt wurden, waren es im August 1923 auf dem Höhepunkt der Inflation in Deutschland bereits 600 bis 100, die beiderseits der Grenze standen und gegen die verheerenden Auswirkungen der kapitalistischen Misswirtschaft demonstrierten.

Wiederum am 5. August zwei Jahre darauf war die Zahl der Demonstranten bereits auf 6.000 gestiegen, darunter 4.000 Deutsche aus Schlesien, die sich nach beschwerlichen Nachtmärschen mit ihren tschechischen Kameraden auf der Schneekoppe trafen. Bei Sonnenaufgang erklang die Internationale. Einen besonderen Platz in der Folge der Grenztreffen nahm die internationale Kundgebung vom 15. Mai 1927 ein, an der der Vorsitzende der KPD, Ernst Thälmann, teilnahm. 6.000 Menschen waren zu dieser Kundgebung zusammengekommen, auf der u.a. der kommunistische Parlamentsabgeordnete der CSR, Karl Kreibich, und von deutscher Seite Ernst Thälmann, angekündigt unter dem Decknamen Ernst Kraft, sprachen. Zum Abschluss dieser Manifestation fand eine gegenseitige Fahnenübergabe statt.

Das letzte dieser Grenztreffen im März 1933, schon nach der faschistischen Reichstagsbrandprovokation, leitete über zu jenem Kapitel des antifaschistischen Widerstandskampfes, in dem deutsche und tschechische Sozialisten ihre auf den Grenztreffen bekundete Solidarität unter neuen Bedingungen ehrenvoll bestätigten.

1972 wurde zum Andenken an jene Grenztreffen in Mala Upa (Klein Aupa), das am Fuße der Schneekoppe unmittelbar an der Grenze zu Polen liegt, ein Denkmal errichtet. (siehe unser Foto) Dieser Denkstein wurde 1994 im Zuge der "samtenen Revolution" abgerissen. Man darf nicht einmal das Stück Wiesengelände betreten, auf dem es stand.

Am 29. August 1998 wehten in Mala Upa auf einer gemeinsamen Demonstration tschechischer und deutscher Antifaschisten wieder rote Fahnen in Rübezahls Reich. Vor l50 Teilnehmern, davon rund die Hälfte Deutsche, zumeist Berliner, sprachen der Abgeordnete Exner, stellvertretender Vorsitzender der KSCM und Dr. Pesava, Vorsitzender der KSCM im Kreis Trutnov. Klaus Baltruschat (Berlin), selbst Opfer eines heimtückischen neofaschistischen Anschlags, verwies eindringlich auf immer deutlicher sich abzeichnende Tendenzen des Rechtsextremismus in der Bundesrepublik Deutschland.

In einer Grußadresse von Petra Pau, Vorsitzende des Landesvorstands Berlin der PDS, heißt es an die Teilnehmer des Treffens gewandt: "Sie halten die jahrzehntelange gemeinsame Tradition tschechischer und deutscher Sozialistinnen und Sozialisten, Antifaschistinnen und Antifaschisten lebendig, die über die Grenzen hinweg für eine lebenswerte friedliche und sozial gerechte Gesellschaft gekämpft und ihr Leben gegeben haben. Ich grüße Sie herzlich und unterstütze Ihre Anstrengungen, diesen Teil der deutsch-tschechischen Geschichte nicht in Vergessenheit geraten zu lassen.

Da Solidarität nicht Sache verbaler Bekundungen ist, konnten die deutschen Teilnehmer aus eigenen Spenden den tschechischen Genossen einen Betrag von 10.000 Kronen übergeben.

Eine 7-Tage-Busreise brachte uns zum Treffen und wir hatten zusätzlich schöne Urlaubstage in Spindlermühle. Gebucht über das Reisebüro ALLE-REISEN, war das ein guter Griff. Das niveauvolle Hotel HORAL, interessante Tagesausflüge und gute Abendprogramme mit Gesprächsabenden, gefielen uns sehr.
Denkmal für die Grenztreffen in Mala UpaDenkmal für die Grenztreffen in Mala Upa,
1972 eingeweiht.
1988: Von der "samtenen Revolution" entweiht.
Die Stelle, wo das Denkmal stand, darf nicht betreten werden.

Diese empfehlenswerte Fahrt ist 1999 wieder im Programm und unterstützt die Teilnahme am Treffen.

Informationen zur Fahrt 1999 (oder später) über: Reisebüro ALLE-REISEN, Dr. Ernst Wanitschek, Volkerstr. 35, 10365 Berlin, Tel./Fax: 030-5 59 04 95, Di. - Do. ab 16 Uhr, bzw. Anfrage im Vorstand, ob Adresse/Tel. noch aktuell sind.