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Jürgen Kummetat:

Die Deutschen in der französischen Résistance

Ausstellungen im Rathaus Waldkirch bei Freiburg (Deutschland) sowie im Centre des Droits de l'Homme (Zentrum für Menschenrechte), Sélestat, Elsass (Frankreich) 13. Oktober bis 3. November 2000

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Partnerschaften zwischen Städten und Schulen führen zu außergewöhnlichen Ergebnissen. Sie sind häufig auch ein erfolgreiches Wirkungsfeld für engagiertes Arbeiten von Bürgern. Die Ausstellungen, die derzeit in den Partnerstädten Sélestat und Waldkirch gleichzeitig stattfinden, geben davon Zeugnis.

In Waldkirch hatten die jungen Mitglieder des "Arbeitskreises Widerstand und Arbeitergeschichte Waldkirch" Forschungen über überlebende Widerstandskämpfer in ihrer Heimatstadt angestellt, die gegen die Nazidiktatur zusammen mit der französischen Résistance gekämpft hatten. Auf diese Weise kamen sie in Kontakt zur DRAFD (Verband Deutscher in der Résistance, in den Streitkräften der Antihitlerkoalition und in der Bewegung 'Freies Deutschland' e.V.).

Diese Verbindung ermöglichte in den beiden Partnerstädten Sélestat und Waldkirch eine von den Stadtverwaltungen geförderte und auch in Zusammenarbeit mit der ANACR (Amis de la Résistance) gestaltete gleichzeitig stattfindende Ausstellung, die für Deutsche wie für Franzosen erstaunliche und wenig bekannte Zeugnisse zeigt: In Frankreich ist schon allein die Existenz des Widerstands in Deutschland und durch Deutsche wenig ins Bewusstsein gedrungen.

In Deutschland sind Akte von Deutschen gegen die Nazidiktatur und ihre Verbündeten auf Seiten des "Feindes" auch heute nach wenig populär. Das lag zum großen Teil an der politischen Herkunft der handelnden Personen, die aus sozialistischen, kommunistischen Kreisen stammten, aus Gründen des Rassismus verfolgt, Teilnehmer am Spanischen Bürgerkrieg waren und deshalb in Frankreich sich den Kräften der Résistance anschlossen.

Die Ausstellung zeigt aber nicht nur diese Kämpfer, die sich in der "C.A.LP.0." (Comité Allemagne libre pour l'ouest) zusammengeschlossen hatten, sondern auch von ungefähr 600 bis 800 Militärangehörigen, die durch Kontakte zur Résistance versuchten, die Regime Hitlers und seiner Helfer zu beseitigen. Die Ausstellung zeigt nicht nur Dokumente über diese Menschen, die nicht nur aus SPD und KPD, sondern auch aus den bürgerlichen Parteien kamen. Auch die Rolle Caesar von Hofackers, dem Cousin von Stauffenberg, wird hier gewürdigt, der im Zusammenhang mit dem Attentat vom 20. Juli 1944 versucht hatte, Kontakte zur C.A.L.P.0. aufzunehmen, um von Paris aus den Kampf gegen Hitler zum Erfolg zu führen.

Dass auf der einen Seite dieser Kampf in Deutschland wenig Beachtung fand, lag wohl auch an der Situation vor 1990, wodurch auch der Widerstand im Sinne der jeweils beiden Teile des geteilten Deutschlands berücksichtigt wurde. In Frankreich hatte die Beteiligung Deutscher auch nicht die ihnen gebührende Beachtung gefunden. Dem CIDH kommt der Verdienst zu, mit dieser Ausstellung bereits die zweite, nach der "Weißen Rose", über deutschen Widerstand zu zeigen.

Die Ausstellung in den beiden Städten auf beiden Seiten des Rheins ist ein Zeichen, im Sinne der europäischen Partnerschaft das gemeinsame Erbe des Kampfes gegen die Diktatur zu würdigen und gleichzeitig zu ermutigen, diese historischen Arbeiten auch in Bildungseinrichtungen, also auch unseren Schulen zu zeigen.

Bei der Eröffnung der Ausstellung zeigten die Sprecher des DRAFD, Kurt Hälker (Berlin) und Hans Heisel (Schwalbach a. T.), die Bedeutung der Solidarität der Kämpfer gegen die Diktatur aus Frankreich und Deutschland, die diesen Kampf überhaupt erst möglich gemacht habe.

Dies bekräftigte auch der Vertreter der französischen Widerstandskämpfer im Elsass, Roland Netter (Strasbourg). Die Bürgermeister der beiden Partnerstädte, Richard Leibinger und Pierre Giersch, betonten die Bedeutung der städtepartnerschaftlichen Verbindungen, um diesem gemeinsamen europäischen Erbe, das für ein demokratisches Europa unabdingbar sei, den nötigen Stellenwert zu geben. Dies hob auch der Vertreter der AEDE-Elsass, Jean-Claude Gonon, hervor, der den Bezug zu den Arbeiten des Europarots sowie zur neuen EU-Menschenrechtscharta herstellte.

Der Vertreter des EBB, Jürgen Kummetat, wies auf ein COMENIUS-Projekt innerhalb der AEDE hin: zwischen Schulen aus Andernos-les-Bains (Frankreich), Frankfurt am Main (Deutschland) und Wien (Österreich) haben sich zwischen den Jahren 1997 bis 2000 die Schüler und Lehrer mit dem Thema "Die Rolle des Widerstands gegen den Totalitarismus und seine Bedeutung für die Einigung Europas" - "Des Résistances européennes au Nazisme au Service de la Construction de l'Europe" intensiv beschäftigt und dazu Ausstellungen an den Partnerschulen gezeigt: www.aede.org/ebb.

Die Leistung der Widerstandsbewegungen werden auch im neuen Projekt "Vom Europa der Feindbilder zum Europa der Visionen" - "Représentations et lmages de l'Europe" (F), "Rappresentaziane e lmmagine dell'Europa" (I) - "EUROPA NA CESTE OD OBRAZU NEPROATELA K VIZIAM" (SK) ihren Platz finden, das seit März 2000 zwischen den früheren Partnern sowie Schulen aus Italien und der Slowakei realisiert wird.

Besonders hervorgehoben wurde die Leistung der recht jungen Mitarbeiter des Arbeitskreises "Widerstand und Arbeitergeschichte Waldkirch". Ihre Aktivitäten und Forschungen sind beispielgebend für die Beschäftigung mit diesem Erbe Europas, das seinen Platz in der Diskussion über europäische Werte haben muss. Die Ausstellungen und Veranstaltungen in ihrem Rahmen verdienten eine Reise in beide Städte.

Kontaktadressen für Anfragen von Ausstellungen und Materialien für die Arbeit in Schulen:

  • Arbeitskreis Widerstand und Arbeitergeschichte Waldkirch: c/o Armin Bannwarth, Mühlenweg 6, D-79183 Waldkirch
  • DRAFD, c/o Kurt Hälker, Stolzenfelsstr. l0a, D-10318 Berlin

Hinweis: Die Ausstellung der DRAFD gibt es in deutscher und französischer Fassung.

Der Autor ist Amtierender und Geschäftsführernder Vorsitzender des Europäischen Bundes für Bildung und Wissenschaft - EBB / AEDE.

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