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Plan "Otto" war Vorspiel für "Barbarossa"

 Am 22. Juni 2001 jährt sich zum 60. Mal eins der schwärzesten Daten in der deutschen Geschichte: der Überfall auf die Sowjetunion. Der Hitlerfaschismus hatte damit den Weltkrieg zur Verwirklichung seiner globalistischen Herrschaftsansprüche vollauf und in brutalster Weise entfesselt. Er hatte den Völkermord, den Vernichtungskrieg gegen "Judentum und Bolschewismus" zum erklärten Ziel gemacht, setzte ihn mit barbarischen Mitteln durch, eröffnete zugleich den Absturz in die unvermeidbare schlimmste nationale Katastrophe, die Deutschland je in seiner Geschichte erlebte.

Allgemein ist bekannt, dass die präzise Planung des Überfalls mit Hitlers Weisung 21, dem Plan "Barbarossa" vom Dezember 1940 begann. Zumindest seit dem Nürnberger Prozess gegen die nazistischen Hauptkriegsverbrecher ist das gerichtsnotorisch nachgewiesen. Es liegen auch genügend Beweise vor, dass die faschistischen Machthaber die Eroberung eines neuen "Lebensraums" im Osten, insbesondere in der Sowjetunion, schon lange vor 1940 als eines ihrer Hauptziele ansahen und hierbei die Unterstützung einflussreicher Kreise des Großkapitals fanden. Auch die Spitzen der Wehrmacht offenbarten aus ihrer militaristischen und ausgeprägt antikommunistischen Haltung ihre Sympathien für einen Aggressionskrieg gegen die Sowjetunion.

Doch ihr konkreter Anteil an der Vorbereitung des militärischen Überfalls war durchaus entscheidender. Der Chef des Generalstabs, General der Artillerie Franz Halder, war bereits im Frühsommer 1940 Urheber des "Plans Otto". Er sah vor, nach der Niederwerfung Frankreichs noch im Spätsommer oder Frühherbst 1940 mit 80 Divisionen und weiteren Reserveeinheiten in einem Blitzkrieg die Sowjetunion zu überfallen. Abgestimmt war dieser Plan mit dem Oberbefehlshaber des Heeres, Generaloberst Walther von Brauchitsch, auch weitgehend mit dem Staatssekretär im Auswärtigen Amt, Ernst von Weizsäcker. An der Ausarbeitung dieses Planes waren weitere hohe Militärs beteiligt, darunter der Panzergeneral Heinz Guderian. Nach seiner im Juli 1940 fertiggestellten Aufmarschanweisung gehörte eine blitzartige Eroberung der Ukraine zu den primären Zielen.

Nach Halders Vorstellungen sollte die Wehrmacht innerhalb von neun Wochen Moskau und Leningrad erobern. Grundsätzlich hatte Halder den Chef der Operationsabteilung des Generalstabs am 3. Juli angewiesen, bei der Planung davon auszugehen, "wie ein militärischer Schlag gegen Russland zu führen sei, um ihm die Anerkennung der beherrschenden Rolle Deutschlands in Europa abzunötigen". Bezeichnenderweise wird der "Plan Otto" nur kaum in der Geschichtsforschung und noch weniger in den Medien erwähnt. Um so verdienstvoller war eine Publikation in der "Zeit" im September 1997.

Hitler hoffte jedoch nach der Kapitulation Frankreichs auf ein Friedensangebot aus England, wollte erst danach den "bolschewistischen Todfeind" vernichten und den neuen "deutschen Lebensraum" im Osten erobern. Offensichtlich befürchtete er einen Zweifrontenkrieg doch mehr als seine Generale, die ihn selbst in militärischen Planungen noch in ihrer Abenteuerlichkeit übertrafen. So wurde der Überfall auf die Sowjetunion auf den Frühsommer 1941 verschoben. Doch der Oberbefehlshaber des Heeres, der nach dem Frankreichfeldzug zum Generalfeldmarschall beförderte Walther von Brauchitsch meldete seinem "Führer", dass der Generalstab bereits den Angriff auf die Sowjetunion in den Grundzügen vorgeplant habe. Die Weisung 21 konnte damit von der Existenz des "Plans Otto" ausgehen.

Nachzumerken sei, dass die Planung der militärischen Führung 1940 durchaus nicht nur aus dem Siegestaumel nach dem Blitzkrieg im Westen gespeist wurde. Bereits Monate vor dem Überfall auf Polen, noch vor dem Abschluss des deutschsowjetischen Nichtangriffspakts hatte General Halder die Vorstellung entwickelt, dass nach der Niederwerfung Polens "eine siegreiche Armee, erfüllt mit dem Geist gewonnener Riesenschlachten bereitstehen" würde, um "dem Bolschewismus entgegenzutreten". Von der Sowjetunion sollten im Ergebnis des Krieges ein "Ukrainisches Reich" und "Weißrussland" abgetrennt werden, die dann zusammen mit einem "Baltischen Staatenbund" einen Kordon deutscher Satellitenstaaten bilden sollten. Hitlers erklärte Absicht, einen Vernichtungsknieg im Osten zu führen, so die Voraussetzungen für die globalen Hegemoniepläne zu schaffen, war dann weiter gesteckt.