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HORST-HEINZ MEYER:

Aufklärung über Nazideutschland

Der Freie Deutsche Kulturbund in Schweden

Ein Nationalkomitee „Freies Deutschland“ wollten, doch konnten bzw. durften wir in Schweden nicht gründen: Die Regierung in Stockholm berief sich auf die Neutralität des Landes. So gründeten wir deutschen Exilanten im Mai 1944 in Birkagarden in Stockholm den „Freien Deutschen Kulturbund“ in Schweden, einen überparteilichen Bund, der so ziemlich alle politischen Richtungen der Weimarer Republik umfasste.

Unser Ziel war, mit den Mitteln kulturellen und politischen Schaffens das Wissen über Hitlerdeutschland in der schwedischen Öffentlichkeit zu verbreiten, aber auch auf die immer zahlreicheren deutschen Soldaten einzuwirken, die sich im benachbarten, von den Faschisten 1940 besetzten Norwegen oder auch in Dänemark – nicht selten mit Hilfe einheimischer Widerstandsgruppen – von der Wehrmacht getrennt hatten. Der schwedische Rundfunk strahlte regelmäßig deutschsprachige Sendungen aus; einer der Sendeleiter war der später in der DDR bekannte Schauspieler Curt Trepte.

Die Gründung des FDKB erregte Aufsehen in der schwedischen Öffentlichkeit. Zur Gründung kam auch der im schwedischen Exil lebende und damals bereits bekannte dänische Schriftsteller Martin Andersen-Nexö. Er freue sich, sagte er in seiner Ansprache, demokratisch gesinnte Deutsche wieder in den vordersten Reihen des gemeinsamen Kampfes gegen die Barbarei zu finden. Auch der Chefbibliothekar der Stockholmer Stadtbibliothek und angesehene Lyriker Arnold Ljungdahl kam und begrüßte die Schaffung eines solchen „freien deutschen Organs“; er wurde später Mitbegründer und Vorsitzender der Freundschaftsgesellschaft Schweden-DDR.

Mit seinem regelmäßig erscheinenden Organ „Politische Information“ trug der Freie Deutsche Kulturbund in Schweden zur weiteren Aufklärung über Nazideutschland wie zur Diskussion über das kommende demokratische Deutschland bei. Mutige schwedische Seeleute verbreiteten unser Blatt über die Häfen auch in Deutschland selbst.

Nicht zu vergessen seien die zahlreichen Kulturveranstaltungen des Bundes. So inszenierte die „Freie Deutsche Bühne“, um nur ein Beispiel zu nennen, Brechts „Furcht und Elend des Dritten Reiches“. Nicht zuletzt leistete der FDKB auch seinen Beitrag zur internationalen Solidarität; schon zur Gründung wurde ein nicht kleiner Geldbetrag für das Komitee der französischen Militärflüchtlinge in Schweden gesammelt, mit dem uns auch später eine verständnisvolle und herzliche Zusammenarbeit verband.