Home Navigationspfeil News Navigationspfeil FDB Glasgow

Arno Gräf:

Freie Deutsche Bewegung in Großbritannien

Anmerkungen zum Ortsverband Glasgow 1943 bis 1946

Wie in zehn weiteren britischen Städten entstand Ende 1943 auch in Glasgow, der schottischen Industriemetropole und zweitgrößten Stadt des britischen Inselreiches, ein Ortsverband, der am 25. September 1943 in London gegründeten „Freien Deutschen Bewegung in Großbritannien (FDB). Zunächst wurde ein Initiativkomitee gebildet, das dir Gründung eines Ortsverbandes in Glasgow vorbereitete. Diesem Komitee stand der sozialdemokratische Jurist Dr. Curt Rosenberg vor, der von Hugo Gräf dafür gewonnen wurde. Die beiden „Glasgower“ hatten sich während der gemeinsamen Internierung im Lager Hutchinson auf der Isle of Man in den Jahren 1940 und 1941 kennen- und gegenseitig schätzen gelernt. Auf der ersten (zentralen) Delegiertenkonferenz der Freien Deutschen Bewegung in Großbritannien, die am 13. Und 14. November in London stattfand –zu einem Zeitpunkt also, als in Glasgow noch die Gründungsvorbereitungen liefen – vertrat Hartmut Colden das Glasgower Initiativkomitee in London.
Alternativtext Nach entsprechenden Vorbereitungen lud das Initiativkomitee am 12. Dezember 1943 in das Internationale Studentenzentrum der Glasgower Universität zur Gründung eines Ortsverbandes der Freien Deutschen Bewegung in Großbritannien ein. Der sich dort konstituierende FDB-Ortsverband bestimmte Rolf Thoel zu seinem Vorsitzenden sowie Dr. Curt Rosenberg und Hermann Leupold zu Sekretären. Nach der Übersiedelung Rolf Thoels nach London übernahm Dr. Curt Rosenberg den Vorsitz und Ernst Langguth und Kurt Krenn rückten als Sekretäre nach (Hermann Leupold hatte zwischenzeitlich die Leitung des Schottischen Emigrantenzentrums in Glasgow übernommen).

Zunächst wurden in Glasgow Diskussionszirkel eingerichtet, aus denen sich dann zwei Stadtteilgruppen (Wohngruppen) der FDB herausbildeten. Diese gaben sich die Namen „Thomas Berthold“ bzw. „Hans Litten“ und trafen sich in der Regel einmal monatlich. Ebenfalls einmal im Monat tagte der Ortsausschuss (Vorstand). Die allgemeine Mitgliederversammlung (Vollversammlung) wurde zu besonderen Anlässen sowie zur Wahl der Delegierten zu den stets in London abgehaltenen Landeskonferenzen der FDB einberufen. 1944 wurde eine gesonderte Frauengruppe gebildet, die sich den Namen Demokratische Vereinigung Deutscher Flüchtlingsfrauen in Schottland gab, und anfangs unter der Leitung von Else Schönherr, später unter der von Helene Leupold stand. Ilse Schlesinger (nach ihrer Eheschließung im August 1944 Ilse Langguth) fungierte als Sekretärin. Zu den aktivsten Mitgliedern zählten Dorrit Fläming, Philippine Gerhold und Else Rosenberg. Des weiteren konstituierte sich im selben Jahr eine Soldatenfürsorge, der es um die Betreuung Deutscher ging, die einen Dienst in den britischen Streitkräften aufgenommen hatten.

Wie in allen neu gebildeten Ortsgruppen der FDB beschäftigte man sich auch in Glasgow zunächst mit dem auf der Londoner Gründungsversammlung vom Sozialdemokraten Dr. Carl Rawitzki vorgetragenen Hauptreferat über die Aufgaben und Ziele der Freien Deutschen Bewegung in Großbritannien, mit den dort verabschiedeten Papieren – eine allgemeine Deklaration und ein Aufruf „Deutsche in Armee und Heimat!“ – sowie mit dem von der ersten Delegiertenkonferenz beschlossenen Aktionsprogramm.

Zu den wichtigsten, im Hauptreferat genannten Anliegen der neuen Organisation gehörten:

Im Schlussteil des Aufrufs wurde die Zielstellung der Freien Deutschen Bewegung in Großbritannien für ein „Deutschland nach Hitler“ umrissen. Schwerpunkte darin waren:

Von Anfang an fand die neue antifaschistische Organisation deutscher Emigranten in Schottland die wohlwollende Unterstützung u.a. vom Redakteur der Genossenschaftszeitung „Reynold’s News, John Bell, vom Vorsitzenden der schottischen Genossenschaftspartei, John Allison und vom Vorsitzenden der Glasgower Betriebsrätekonferenz Tom Shanks. In Aktion traten die drei genanten Persönlichkeiten bereits im Januar 1944, als die FDB erstmals in Schottland an die Öffentlichkeit trat. Das erfolgte auf einer Kundgebung unter freiem Himmel im Glasgower Queen’s Park, wo mehrere Hundert Zuhörer den Ausführungen John Allisons, Professor Dr. Alfred Meusels (der aus London angereist war) sowie Tom Shanks lauschten. Als Moderator der Veranstaltung fungierte John Bell.
 Hugo Gräf mit seiner Frau Herta und Sohn Arno im Juli 1942 in Glasgow Foto privat Im Verlaufe des selben Jahres führten beide Glasgower Stadtteilgruppen eine Vielzahl an eigenständigen, sicherlich kleineren Veranstaltungen durch, die in erster Linie darauf gerichtet waren, in der schottischen Bevölkerung Verständnis und Unterstützung für die Ziele der antifaschistischen Exilanten aus Deutschland zu wecken. Dabei verstanden es alle Beteiligten, ihre bereits bestehenden guten Kontakte zu schottischen Gewerkschaften (insbesondere zu denen der Metallarbeiter, Werftarbeiter und Angestellten), zu Frauenorganisationen (insbesondere zum Frauenverband der Schottischen Genossenschaften), zu Jugendklubs und Kirchenvereinigungen und in ihren Arbeitsstellen in die gemeinsame FDB-Arbeit einzubringen. Im Gegensatz zu den Beziehungen zur schottischen Öffentlichkeit, traf die auf der zweiten Delegiertenkonferenz der Freien Deutschen Bewegung getroffene Feststellung, dass die überwiegende Mehrheit der deutsch-jüdischen Emigranten sowie Teile der politischen Emigration noch immer der freideutschen Bewegung fern standen, voll auch auf Schottland zu.

Als am 6. Juni 1944 mit der Landung anglo-amerikanischer Truppen in der Normandie die von den Emigranten lang ersehnte Zweite Front gegen Hitler geschaffen wurde, richtete Kurt Krenn als Sekretär des Glasgower FDB-Verbandes einen Brief an alle örtlichen Mitglieder, indem er Vorschläge zur Intensivierung der politischen Arbeit unterbreitete. Diese wurden in einer allgemeinen Mitgliederversammlung des Glasgower Ortsverbandes am 10. Juni 1944 beraten. Vor allem ging es um den Eintritt möglichst aller männlichen Emigranten zwischen 17 und 35 Jahren in die britischen Streitkräfte sowie die Durchsetzung von Frontpropaganda durch deutsche Antifaschisten und ihrer Mitwirkung an der Umerziehung von deutschen Kriegsgefangenen. Aber auch die Arbeit in der Zivilverteidigung oder Aushilfsdienste in Krankenhäusern sowie Blutspenden würden helfen, die Endphase des Krieges zu verkürzen, die Zahl der Opfer zu verringern und den materiellen Schaden zu begrenzen.

Gleichzeitig organisierte die Soldatenfürsorge des Glasgower FDB-Verbandes den regelmäßigen Versand von Briefen, Lebensmittel- und Medikamentenpaketen sowie Literatur an Deutsche in der britischen Armee. In Glasgow stationierte oder durchreisende freideutsche Soldaten wurden mit kostenlosen Mahlzeiten versorgt. Zu Gunsten des in London gebildeten Soldaten- und Wohlfahrtsfonds der FDB wurden Veranstaltungen auch genutzt, um Gelder einzuwerben. Ein herausragendes Beispiel in dieser Hinsicht war der Grand Dance, zu dem der Glasgower Ortsverband der FDB, gemeinsam mit den Ortsgruppen des Freien Deutschen Kulturbundes in Großbritannien und der Freien Deutschen Jugend in Großbritannien a, 12. Januar 1945 in die Glasgower Central Hall einlud. Der finanzielle Erlös dieser Veranstaltung, an der auch Offiziere der Roten Flotte teilnahmen, belief sich auf 18 Pfund.

In Vorbereitung auf die nun absehbare Rückkehr nach Deutschland wurden 1945 in den deutschen Emigrantenorgansationen, darunter die FDB, Kurse und Arbeitsgemeinschaften eingerichtet, um die rückkehrwilligen Exilanten zu befähigen, sich sofort und effizient in den Aufbau eines neuen Deutschlands einzubringen.

In Glasgow wurden u.a. Kurse über Pressewesen (Leitung Hermann Leupold), Sozial- und Kommunalpolitik (Leitung Hugo Graf), Erziehungswesen (schottische Pädagogen) sowie Genossenschaften (schottische Referenten) durchgeführt. Der Kurs, den Hugo Gräf leitete, traf sich beispielsweise von Anfang Februar bis Ende April 1945 wöchentlich einmal.

Um die Freie Deutsche Bewegung in Großbritannien als Glied einer Kette ähnlicher Organisationen, die sich zwischenzeitlich in mehreren Ländern der Erde konstituiert hatten, darzustellen, zeigte der Glasgower Ortsverband der FDB vom 16. bis 26. Februar 1945 eine Ausstellung unter dem Titel „The Movement „Free Germany““. Offenbar war die Ausstellung jedoch ungenügend beworben worden, denn sie verzeichnete kaum über 200 Besucher und verursachte eine finanzielle Einbuße von annähernd 9 Pfund.

Die dritte Delegiertenkonferenz der Freien Deutschen Bewegung in Großbritannien, die am 17. und 18. Februar 1945 abgehalten wurde, wählte Dr. Curt Rosenberg ins Präsidium, wo er neben Dr. Carl Rawitzki und Adele Schreiber Platz nahm (alle drei wurden anschließend auch in die Landesleitung der FDB gewählt). Im Verlaufe der Konferenz sprach Dr. Curt Rosenberg zum Thema „Zulassung zur Arbeit unter deutschen Kriegsgefangenen durchsetzen!“ und seine Ehefrau Else Rosenberg zur „Wiedergutmachung Deutschlands als Voraussetzung für die Wiederaufnahme in die Völkergemeinschaft“. Ausführlich berichtete Dr. Curt Rosenberg über die dritte Landeskonferenz vor der im März 1945 durchgeführten allgemeinen Mitgliederversammlung der Freien Deutschen Bewegung Glasgow. Nachdem sich im Frühjahr 1945 Schwesterorganisationen in Frankreich und Belgien, die während der faschistischen Besatzung an der Seite der dortigen Résistance gekämpft hatten, an die Freie Deutsche Bewegung Großbritanniens mit der Bitte um materielle Unterstützung gewandt hatten, löste diese eine entsprechende Solidaritätsaktion in Großbritannien aus. In Glasgow rief der Ortsverband der Freien Deutschen Bewegung am 27. April 1945 auf, Geld, Kleidung und Medikamente für die von der „Freien Deutschen Bewegung im Westen“ erfassten deutschen Emigranten in Frankreich und Belgien zu sammeln, die dann über das FDB-Sekretariat in London weitergeleitet würden. Bis zur Jahresmitte erbrachte diese Sammlung 109 Pfund – über die Hälfte des selbst gesteckten Jahresziels von 200 Pfund. Allein ein Solidaritätsbasar, zu dem Emigranten insgesamt 97 Gegenstände beigesteuert hatten, erbrachte einen Reinerlös von über 20 Pfund (die nicht abgesetzten Objekte im Wert von 10 Pfund wurden bei späteren Veranstaltungen bzw. Tombolas eingesetzt). Die Gesammelten Sachspenden ergaben ebenfalls bis zur Jahresmitte drei Säcke sowie ebenso viele Kartons voller Kleidungsstücke und Babywäsche.

An der ersten Frauenkonferenz der Freien Deutschen Bewegung in Großbritannien, die unter dem Titel „Neue Wege deutscher Frauen“ am 9. und 10. Juni 1945 in London stattfand, nahm Ile Langguth aus Glasgow in ihrer Eigenschaft als Sekretärin der Demokratischen Vereinigung Deutscher Flüchtlingsfrauen in Schottland teil. Die Referate hielten die beiden Co-Vorsitzenden der Frauenkommission der FDB, Auguste Körner und Adele Schreiber. In einem Diskussionsbeitrag berichtete Ilse Langguth dn 115 Teilnehmerinnen der Konferenz über die unter der Glasgower Bevölkerung bisher geleisteten Arbeit der Vereinigung.

Immer wieder erhielten die beiden FDB-Gruppen in Glasgow Einladungen, vor schottischen Organisationen aufzutreten. So sprachen beispielsweise vom Januar bis Ede Juni 1945 elf FDB-Vertreter auf 20 Versammlungen der verschiedensten schottischen Zusammenschlüsse und bezogen so vor 600 bis 700 Zuhörern zur deutschen Frage Stellung. Besonders häufig wurde die Frage gestellt, wie es Hitler so leicht gelingen konnte, die Macht an sich zu reißen. Andererseits traten auf öffentlichen Vortragsveranstaltungen, die vom Glasgower FDB-Ortsverband vorbereitet wurden, auch Gastredner aus London auf, so z.B. Heinz H. Schmidt, Sekretär der FDB-Landesleitung, der am 16. April 1945 über die Voraussetzungen einer künftigen deutschen Demokratie sprach, Pfarrer Golzen, der über die Aufgaben der Kirchen im Nachkriegsdeutschland referierte oder Felix Albin, Chefredakteur der „Freien Tribüne“, der am 3. Juni 1945 zum Thema „Vom Chaos zur Demokratie“ Stellung bezog. Die zuletzt genannte Veranstaltung, die im hochmodernen Filmtheater „Cosmo“ stattfand, wurde von 520 Zuhörern besucht und erbrachte einen Spendenbeitrag von annähernd 12 Pfund. Aus dem Halbjahresbericht für Januar-Juni 1945 des FDB-Verbandes Glasgow geht u.a. hervor, dass die beiden Stadtteilgruppen „Thomas Berthold“ und „Hans Litten“ sich dreizehnmal getroffen und Themen wie die aktuelle Lage in Deutschland, Italien nach dem Sturz Mussolinis, die Jalta-Konferenz der „Großen Drei“, die Reparationsfrage u.ä. erörtert hatten. Gleichzeitig hatten sie 111 Zeitschriften, 449 Broschüren und etwa 300 Exemplare der „Freien Tribüne“, Sprachrohr der Freien Deutschen Bewegung in Großbritannien, umgesetzt. Der Reinerlös aus dem Literaturvertrieb betrug knapp über zwei Pfund (wovon 50 Prozent in der Ortskasse verblieben). Erneut wurde kritisch vermerkt, dass es noch immer nicht gelungen war, weitere Asylantenkreise an die FDB heranzuführen, so dass nach neuen Wegen gesucht werden müsse, noch abseits stehende deutsche Emigranten für die Bewegung zu gewinnen.

Ein Fest zu Gunsten des Pressefonds der „Freien Tribüne“ veranstaltete der FDB-Ortsverband Glasgow am 18. August 1945. Der Verkauf von Eintrittskarten und selbst gebackenem Kuchen, eine Versteigerung und eine Tombola erbrachten etwas über 4 einhalb Pfund. Durch weitere Geldspenden konnten 17 Vierteljahresabonnements der „Freien Tribüne“ für die Leser in Deutschland einschließlich Porto vorfinanziert werden.

Am 3. November 1945 richtete die Demokratische Vereinigung Deutscher Flüchtlingsfrauen in Schottland eine Konferenz in Glasgow aus, an der außer 130 Delegierten von schottischen Frauenorganisationen noch 30 Gäste teilnahmen. Geleitet wurde die Zusammenkunft von Cate M. Callen, Generalsekretärin des Frauenverbandes der Schottischen Genossenschaften, Hauptrednerin war Auguste Körner. Zum Abschluss wurde eine Entschließungsentwurf beraten, der die britische Regierung aufforderte, den in Großbritannien lebenden deutschen Antifaschisten die sofortige Rückkehr in die Heimat zu ermöglichen, da sie dort für den demokratischen Wideraufbau dringend benötigt würden. Der Entwurf schloss mit dem Satz: „Der Aufbau einer wahren Demokratie in Deutschland ist entscheidend für die Erhaltung des Weltfriedens“. Die schließlich einstimmig angenommene Entschließung wurde von Ilse Langguth mit Begleitschreiben an die schottischen Mitglieder des britischen Unterhauses sowie an Premierminister Clement R. Attlee versandt.

Auf Einladung des Glasgower FDB-Verbandes fand am 25. November 1945 eine weitere Veranstaltung im Cosmo statt, auf der der britische Publizist Gordon Schaffer und Heinz H. Schmidt auftraten. Anschließend wurde der Film „Battle of Berlin“ gezeigt, der Aufnahmen von 39 Kameraleuten der Roten Armee vereinigte und die Einnahme der ehemaligen „Reichshauptstadt“ dokumentierte. Dies war das letzte Mal, dass die FDB in Glasgow an die Öffentlichkeit trat.

Da sich mit der bedingungslosen Kapitulation der deutschen Heeresführung am 8. Mai 1945 der eigentliche Zweck der FDB in Großbritannien erfüllt hatte, nämlich die deutschen-antifaschistischen Kräfte zu einem größtmöglichen Beitrag im Rahmen der Antihitlerkoalition zu bündeln, beschloss der FDB auf der vierten und letzten Delegiertenkonferenz am 30. Dezember 1945, sich aufzulösen. Angesichts der sehr zurückhaltenden und selektiven Repatriierungspolitik der britischen Regierung, nahmen die von der FDB eingeleiteten Maßnahmen zur Rückkehr aller Asylanten in der Konferenz eine hervorragende Stellung ein. Neben fortzusetzenden Verhandlungen mit britischen Behörden wurde vor allem auf eine umfassende Öffentlichkeitsarbeit orientiert, um so die Erlaubnis zur Rückreise über das britische Parlament zu erwirken.

Bezogen auf den FDB-Verband in Schottland wurde im Rechenschaftsbericht zur Abschlusskonferenz der FDB deren Breitenarbeit gegenüber schottischen Organisationen in Glasgow und Edinburgh hervorgehoben, die vielfach schriftlichen Forderungen zur Entnazifizierung der deutschen Verwaltungen sowie die Rückkehr der antifaschistischen Asylanten nach Deutschland mündeten. Entsprechende Resolutionen waren z.B. an das britische Innenministerium und an 30 schottische Parlamentsmitglieder gerichtet worden. Als ein Höhepunkt in dieser Kampagne wurde die Glasgower Frauenkonferenz vom 3. November 1945 erwähnt. Wegen der von ihnen durchgeführten Kurse bzw. Arbeitsgemeinschaften zur Vorbereitung auf die Rückkehr nach Deutschland wurden die FDB-Ortsgruppen Glasgow, Birmingham und Manchester lobend erwähnt.

In der letzten Ausgabe der „Freien Tribüne“, erschienen am 27. Juli 1946, wurde in verschiedenen Beiträgen eine kurze Bilanz des Wirkens der Emigrantenorganisationen in Großbritannien, darunter der FDB, gezogen. Als Redakteure wurden Dr. Carl Rawitzki, Hans Schrecker und Dr. Monty Jacobs, als Chefredakteure Heinz H. Schmidt und Felix Albin hervorgehoben. Ferner wurde daran erinnert, dass nach dem Zusammenbruch Hitlerdeutschlands die „Freie Tribüne“ von einem Monatsblatt in eine Halbmonatsschrift mit schwerpunktmäßiger Berichterstattung über den Neuaufbau in Nachkriegsdeutschland umgewandelt wurde. Der Leitartikel unter der Überschrift „Zum Abschied“ schloss mit den Worten „Goodbye England“ und die Zeitschrift insgesamt mit dem Wunsch „Auf ein baldiges Wiedersehen in Deutschland!“.

Auch in Glasgow bereiteten sich die deutschen Emigranten seit Kriegsende auf die Rückkehr nach Deutschland, auf ihre Einbürgerung als britische Staatsangehörige oder auf die Weiteremigartion nach dem britischen Mandatsgebiet Palästina, in die USA oder anderswohin vor. Dennoch gibt der Glasgower Ortsverband als letzte Aktion vor seiner Selbstauflösung noch ein umfängliches Referentenmaterial heraus, das Emigranten helfen soll, britischen Zuhörern die Notwendigkeit einer durchgreifenden Entnazifizierung sowie der schnellstmöglichen Repatriierung der rückkehrwilligen Asylanten zu erläutern. Eingegangen wurde u.a. auf die Verantwortung für die deutsche Katastrophe, die daraus resultierenden Festlegungen der damals sogenannten Berliner Konferenz , die Versorgungslage in Deutschland, die Parteien, Gewerkschaften und Kirchen in Deutschland, die Lage der deutschen Jugend, das Erziehungswesen und die Selbstverwaltungsorgane in Deutschland.

 

Arno Gräf