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DRAFD-Verschmelzung mit VVN-BdA

Gespräch mit DRAFD-Geschäftsführer André Lohmar zur

Zukunft des Verbandes

 

1. Im vergangenen Jahr beschloss die DRAFD auf ihrer Vollversammlung, der VVN-BdA beizutreten. Was war der Grund dafür?

Es gibt mehrere Gründe für diese Entscheidung. Die wichtigsten sind jedoch die starke Reduzierung der Mitgliederzahl in den letzten Jahren auf Grund des hohen Alters unserer Kameraden und die mangelnde Gewinnung von neuen Mitgliedern. 65 Jahre nach Beendigung des Krieges ist es nur allzu natürlich, dass in unseren Reihen nur noch wenige Zeitzeugen existieren, die in der französischen Widerstandsbewegung, in den alliierten Armeen bzw. in der Bewegung Freies Deutschland gewirkt haben. Denken Sie nur an die schmerzhaften Abgänge solcher Kameraden wie Gottfried Hamacher, Peter Gingold, Gerhard Leo, Ernst Melis, Lore Krüger, Kurt Hälker und Stefan Doernberg, die entscheidend die Gründung und die Wirksamkeit unseres Verbandes bestimmt haben. Der Verband DRAFD hat einen recht kleinen aber sehr wichtigen Teil des antifaschistischen Kampfes von deutschen Bürgern vertreten. Die Hauptaufgabe des Verbandes bestand in der Verbreitung des Wissens über die Existenz dieses Widerstandes gegen den deutschen Faschismus. Für die Nachwelt wurden Arbeiten geleistet, die dieser Verpflichtung gerecht wurden. Ich denke da an Ausstellungen, die jetzt von der Gedenkstätte Deutscher Widerstand übernommen wurden, an verschiedene Bücher u.a. an das Buch mit den Kurzbiografien tausender Deutscher, die in der Résistance, in den Alliierten Streitkräften und in der Bewegung "Freies Deutschland" gekämpft haben. Ich denke aber auch an die vielen Auftritte der Zeitzeugen vor Schülern, an die interessanten Beiträge in unserer "DRAFD-Information" und an die Verwaltung von Nachlässen in unserem Archiv.

2. Was verspricht der Vorstand sich von diesem Schritt?

Beide Vereine haben gemäß ihrer Satzungen und ihrer tatsächlichen Tätigkeit weitgehend identische Ziele. Zweck der Verbände ist die Forschung über die Verfolgung Deutscher im Naziregime und über die Teilnahme Deutscher an den Widerstandsbewegungen. Sie wollen Bildungsarbeit leisten, um die Öffentlichkeit über die Verbrechen des Faschismus aufzuklären und deutlich zu machen, dass nie wieder vom deutschen Boden ein Krieg ausgehen darf. Die VVN-BdA ist ein starker Verband mit mehreren tausend Mitgliedern und Vertretungen in allen Bundesländern. Dieser Verband leistet auf der Grundlage der Erfahrungen des antifaschistischen Kampfes eine aktive Gegenwartsarbeit, die viele junge Menschen animiert mitzuarbeiten - ich denke da z. B. an die nonpd-Bewegung.

Wir sind überzeugt, dass die Verschmelzung beider Verbände uns helfen wird insbesondere in den "alten" Bundesländern stärker als bisher die Interessen der DRAFD durchzusetzen. Dazu bedarf es natürlich einer intensiven Interessenvertretung der DRAFD im Bundesvorstand, im Bundesausschuss und in den Landesvertretungen der VVN-BdA.

Was bedeutet das für die Mitglieder ganz konkret?

Jedes DRAFD-Mitglied ist aufgerufen - wenn es nicht schon praktiziert wird - innerhalb der VVN-BdA aktiv mitzuwirken und dabei die speziellen Möglichkeiten und Angebote der DRAFD wie Ausstellungen oder Zeitzeugengespräche einzusetzen.

3. Welches werden die nächsten Schritte auf dem Weg zum Beitritt sein?

Die Vorstände beider Verbände haben in Konsultation mit einem Rechtsanwalt den Entwurf eines Verschmelzungsvertrages erarbeitet. Die Konsultation war erforderlich, um keinen Anlass zur juristischen Anfechtung der Vereinigung insbesondere in den Fragen der Verschmelzung finanzieller und materieller Werte zu geben. Auf der Jahres-Mitgliederversammlung der DRAFD am 11. Dezember 2010 werden die Kameraden in Anwesenheit des Rechtsanwaltes und Notars über diesen Verschmelzungsvertrag diskutieren und abstimmen. Die Mitglieder der VVN-BdA werden auf ihrem Bundeskongress in der Zeit vom 1.-3. April 2011 ebenfalls über diesen Vertrag abstimmen.

4. Welche Konsequenzen hat der Beitritt für die künftige Arbeit der DRAFD?

Zukünftig wird es keinen selbstständigen Verband DRAFD mehr geben. Der Entwurf des Verschmelzungsvertrages enthält folgende Passage: " Die VVN-BdA-Zeitschrift "antifa" wird Berichte über den Widerstandskampf Deutscher in der Résistance, den alliierten Truppen und in der Bewegung "Freies Deutschland" veröffentlichen. Die VVN-BdA wird unter Nutzung der Bereitschaft ehemaliger DRAFD-Mitglieder Zeitzeugengespräche mit Jugendlichen organisieren und dabei die vorhandenen Wanderausstellungen "Deutsche in der Résistance" und "Weltweite Bewegung Freies Deutschland" nutzen."

Damit die bisherigen Aktivitäten der DRAFD innerhalb der VVN-BdA kontinuierlich fortgesetzt werden besteht die Möglichkeit, in der VVN-BdA eine Interessengemeinschaft "DRAFD" zu gründen. Darüber sollten wir auf der Mitgliederversammlung diskutieren und die notwendigen personellen Entscheidungen treffen.

5. Wird der Name DRAFD - der ja in der Vergangenheit durchaus einen guten Klang in der Öffentlichkeit hatte - verschwinden?

Im Prinzip - ja. Ob jedoch die Tätigkeit de  deutschen Antifaschisten, die in unserem Verband ihre Heimat gefunden haben, in Vergessenheit gerät, das hängt von unserer weiteren Arbeit in der VVN-BdA ab.

6. Was geschieht mit den Projekten aus der Vergangenheit, ich denke da z.B. an die Ausstellungen?

Die Ausstellungen wurden, wie bereits erwähnt, der Gedenkstätte Deutscher Widerstand übergeben. Die Gedenkstätte hat sich verpflichtet, diese Ausstellungen unter unserer Mitwirkung neu zu gestalten und sie öffentlichkeitswirksam zu nutzen. In diesem Jahr werden wir unser Archiv dem Bundesarchiv zur weiteren Nutzung übergeben. Die dazu erforderlichen Vorarbeiten sind bereits abgeschlossen. Gemeinsam mit der VVN-BdA werden wir über das weitere Vorgehen im Internet beraten. Die Übertragung der Kurzbiografien hat zu einer deutlichen Steigerung des Interesses an unserem Internetauftritt geführt. Z.Zt. werden von den Spezialisten Gespräche zur Zusammenlegung beider Webportale geführt.

7. Wie wird die Öffentlichkeit künftig die DRAFD wahrnehmen können?

Die DRAFD wird zukünftig unter der Flagge der VVN-BdA segeln. Inwieweit sie von der Öffentlichkeit wahrgenommen wird, hängt ausschließlich von uns ab. Wenn wir z.B. die Möglichkeit der Öffentlichkeitsarbeit nutzen, die uns die VVN-BdA mit ihrer auflagenstarken "antifa" gibt, dann können wir auch zukünftig starke Impulse senden.

8. Was für Themen werden auf der Mitgliederversammlung in diesem Jahr auf der Tagesordnung stehen?

Neben dem Bericht des Vorstandes über die Aktivitäten des Verbandes und seiner Mitglieder in den vergangenen 12 Monaten wird der Beschlussentwurf über den Verschmelzungsvertrag (den jedes DRAFD-Mitglied rechtzeitig erhalten wird) im Mittelpunkt der Diskussion der Mitgliederversammlung stehen.

9. Wie soll die künftige Arbeit personell abgesichert werden?

Bei Zustimmung zur Verschmelzung gilt es, die Wahlperiode des derzeitigen Vorstandes bis zum Bundeskongress der VVN-BdA im April 2011 zu verlängern. Ob bisherige DRAFD-Mitglieder in Leitungsgremien der VVN-BdA kooptiert oder gewählt werden, hängt dann vom Verlauf des Bundeskongresses der VVN-BdA ab.

Das Gespräch führte Juliane Haseloff