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Vor 35 Jahren wurde die IEDW gegründet

Geschichtsverfälschungen entgegen wirken

Als am 6. Mai 1972 in Frankfurt/Main auf der 1. Bundeskonferenz ehemaliger Widerstandskämpfer die IEDW gegründet wurde, ging es darum, alle in der Bundesrepublik lebenden Deutschen zusammenzuführen, die einst in Frankreich, Belgien, Luxemburg, Holland, Dänemark, Norwegen, Griechenland, Schweden, Jugoslawien, Italien, England, der Schweiz sowie in den Ländern Osteuropas an der Seite der von den Faschisten besetzten und überfallenen Völkern gekämpft hatten, in den Reihen der Resistance, in Partisanenverbänden, in den alliierten Armeen. Ziel war es, umfangreiche Kenntnisse über ihren Widerstandskampf zusammenzutragen, zu bündeln und einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Dabei stand im Vordergrund, vor allem der jungen Generation die wahre Geschichte und die Rolle der „Bewegung Freies Deutschland" im Kampf gegen Hitlerfaschismus und für die Beendigung des Zweiten Weltkrieges zu vermitteln und auf diese Weise gegen die Diffamierungen und Verfälschungen des antifaschistischen Widerstandes vorzugehen. Nicht zuletzt ging es darum, gemeinsam mit den ehemaligen ausländischen Kampfgefährten und ihren Organisationen Initiativen für internationale antifaschistische Aktionen zu entwickeln. Zum ersten Vorsitzenden wurde Otto Niebergall gewählt.

Die politische Lage in der Bundesrepublik in jener Zeit wurde u.a. dadurch bestimmt, dass bei den Bundestagswahlen 1969 die NPD den Einzug in den Bundstag nur knapp verfehlte, sie aber nun in einigen Landtagen vertreten war. Gemeinsam mit anderen Rechten machte sie gegen die Ostpolitik der sozial-liberalen Koalition unter Willy Brandt mobil. Dennoch konnten 1970 der Moskauer und der Warschauer Vertrag, 1971 das Viermächteabkommen über Berlin und das Transitabkommen sowie 1972 der Grundlagenvertrag zwischen der Bundesrepublik und der DDR unterzeichnet werden. Es ging um Gewaltverzicht und die Anerkennung der bestehenden Grenzen in Europa. Aber es gab auch seit 1972 den sogenannten Radikalenerlass, der Gesinnungsschnüffelei und eine Welle von Berufsverboten mit sich brachte. Alle diese damit verbundenen innenpolitischen Auseinandersetzungen spiegelten sich auch in den Gründungsabsichten der IEDW wider, gemeinsam mit allen Antifaschisten und Demokraten in der Bundesrepublik gegen die von politisch rechts stehenden Kräften ausgehenden Gefahren für Demokratie und Frieden zu wirken. Unterstrichen wurde auf der Gründungskonferenz, dass sich die IEDW als eine Bewegung begreift, die Menschen aus allen sozialen Schichten und Klassen unterschiedlicher Weltanschauungen und politischer Vorstellungen in sich vereint.

Ein Jahr später, im April 1973 konnte auf dem ersten Bundeskongress in Saarbrücken eine positive Bilanz gezogen werden. In Frankfurt/Main wurde eine Geschäftsstelle eingerichtet, die zunächst von Alphonse Kahn geleitet wurde. Er übernahm nach dem Tod von Otto Niebergall 1977 den stellvertretenden Vorsitz. Als neuer Vorsitzender wurde Ernst Buschmann gewählt.

Regelmäßig erschienen nun die IEDW-Informationen. In ihnen waren Erlebnisberichte zu lesen, die u.a. von Edith Zorn, Erwin Hingern, Fritz Franken, Otto Niebergall, Elisabeth Bloch, Hilde Kahn, Paula Rueß, Lore Wolf, Ernst Buschmann, Else Merkel, Dora Schaul, Karlheinz Pech, Heinz Junge, Irene Bernard, Fritz Turaschewski, Paul Obermeier, Emil Sander, Peter Jacob, Hugo Eicker, Henni Dreifuss, Hans Heisel, Roman Rubenstein, Peter Sprenger verfasst worden waren. Als eine besondere Krönung der bisherigen Arbeit wurde das von Dora Schaul in der DDR 1973 herausgegebene Buch „Resistance - Erinnerungen deutscher Antifaschisten" angesehen. In dem Buch schilderten u.a. Walter Beling, Gerhard Leo, Alfred Spitzer, Kurt Hälker, Hans Heisel, Heinz Priess, Walter Vesper, Peter und David Gingold sowie Luise Kraushaar ihre Erlebnisse während des Zweiten Weltkrieges in den Reihen der französischen Resistance.

Ein großer Erfolg, speziell der Zusammenarbeit mit ausländischen Kampfgefährten, war 1975 die Auszeichnung von Karl Mathes und Peter Gingold aus der BRD sowie von Elsa Fugger und Norbert Kugler aus der DDR mit dem „Orden Republicain du Merite Civ'que et Millitaire" in Paris.

Intensiv gestaltete sich über die Jahre hinweg auch die Kooperation - soweit möglich - mit den Kameraden aus der DDR. Resultierend aus der Wende und dem Anschluss der DDR an die Bundesrepublik 1990 entstanden neue Bedingungen für die Arbeit. Sie ergaben sich aus der veränderten innen-, aber auch außenpolitischen Situation des vereinten Deutschland. Jetzt ging es darum, gegen die Bestrebungen zur militärischen Lösung von Konflikten vorzugehen, die Vorwände zur Fortsetzung der Hochrüstung aufzudecken und sich dafür einzusetzen, dass nicht Bundeswehrsoldaten in die Krisenherde der Welt geschickt werden. Vor allem musste alles getan werden, eine diesbezügliche Änderung des Grundgesetzes zu verhindern. Positiv war, dass wir dieses nun mit vereinter Kampfkraft tun konnten. Mit der Gründung der DRAFD konnte nun auch bei uns zusammenwachsen, was zusammen gehört.

Luitwin Bies

 


 

IEDW

Interessengemeinschaft ehemaliger Deutscher Widerstandskämpfer in den vom Faschismus okkupierten Ländern, wie auch in England und den neutralen Ländern, die ihren Wohnsitz in der BRD haben.

Otto Niebergall (* 5. Januar 1904 in Kusel (Pfalz); gestorben 13. Februar 1977) war ein deutscher Politiker der KPD. Im Saarland aufgewachsen trat Niebergall 1920 in den Kommunistischen Jugendverband Deutschlands (KJVD) ein. 1926 bis 1935 vertrat er die KPD im Stadtrat von Saarbrücken. 1935 bis 1937 leitete er den illegalen Kampf im Rheinland. 1940 wurde er in Frankreich interniert, konnte jedoch fliehen und setzte die illegale Arbeit gegen die Nationalsozialisten fort. Niebergall war in Frankreich der Verbindungsmann der KPD zur Resistance. 1945 kehrte Niebergall ins Saarland zurück, wurde jedoch vom Hohen Kommissar Grandval 1947 wegen der Zusammenarbeit mit der SED ausgewiesen. Bei der ersten Bundestagswahl 1949 wurde er für die KPD Bundestagsabgeordneter. 1952 wurde er in die Führungsspitze KPD gewählt. Er war 1968 Mitbegründer der DKP und wurde Leiter von deren Geschichtskommission. Von 1972 bis 1977 war er Vorsitzender der IEDW.