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Zwischen Integration und Legitimation

 

(Rez. von Werner Müller)Bilanz mit Blick in die Zukunft.

Kurt Finker: Zwischen Integration und Legitimation. Der antifaschistische Widerstandskampf in Geschichtsbild und Geschichtsschreibung der DDR. Rosa-Luxemburg-Stiftung Sachsen 1999, 170 S., broschiert.

Kurt Finker: Zwischen Integration und Legitimation 

Der Titel liest sich etwas trocken-akademisch. Gleichwohl umschließt er recht treffend die Problematik des Themas, einen Zwiespalt, den die DDR-Historiographie bis zum Ende dieses sich antifaschistisch begreifenden deutschen Staates nicht los geworden ist. Der Autor geht dabei chronologisch exakt zu Werke, wie sich das gehört. Nachdem er einleitend kurz über die Problemstellung reflektiert hat, geht er ausführlich auf die dezidierten Akzente des antifaschistisch-demokratischen Neubeginns ein, die für die DDR-Bürger und insbesondere für die unter DDR-Bedingungen herangewachsene junge Generation tatsächlich Ende der 80er Jahre schon Geschichte war.

 

Davon ausgehend skizziert Finker die folgenden Etappen der 40er und 50er Jahre mit ihren Fortschritten und Hemmnissen verschiedener Art sehr ausgewogen. Er würdigt in den Kapiteln IV und V der Darstellung die zwischen den 60er und 80er Jahren zunehmende Breite und Differenzierung in der Forschungsarbeit und der Geschichtsvermittlung über Schule und Medien, bis der Anschluss an die alte BRD 1990 die Situation auch in den sogenannten neuen Bundesländern total veränderte.

Der Autor hat in der für eine solche "Tour d'Horizon" gebotenen Kürze seine Ausführungen immer eingebettet in die von den Bedingungen des "Kalten Krieges" geprägten Ost-West-Beziehungen, wobei in künftigen Untersuchungen die Rolle der DDR-Historiographie auf diesem Spezialgebiet für die Öffnung dieser Thematik in der alten BRD als positiver Faktor Berücksichtigung finden sollte.

Eine ähnliche zusammenfassende kritische Studie für den Umgang mit dem antifaschistischen Widerstand in Westdeutschland 1945 bis 1990 und im letzten Jahrzehnt steht meines Wissens ohnehin aus. Außerdem wäre zu vermerken, dass die für wissenschaftliche Arbeit unerlässliche Spezialisierung gerade auch auf dem Gebiet der Erforschung des Widerstandskampfes zu Vereinseitigungen geführt hat, die das Thema "antifaschistischer Widerstand" vom Komplex Faschismusforschung loszulösen drohten, was allerdings bei solchen kollektiven Unternehmungen, wie etwa dem auch international anerkannten sechsbändigen Werk "Deutschland im zweiten Weltkrieg", ausgeglichen werden konnte.

Im Ganzen widerspiegelt Kurt Finkers verdienstvolle Arbeit sehr nachdrücklich, dass es sich um kein Thema für einen begrenzten Kreis von Spezialisten handelt, sondern um eine alle fortschrittlichen Kräfte angehende Problematik. Die Gegenwart bringt dafür Tag für Tag genügend Beweise. Da außerdem die Zahl der am Widerstandskampf Beteiligten, also der Zeitzeugen notwendigerweise aus biologischen Gründen immer geringer wird, ist jene Generation, zu der der Autor des Büchleins wie auch dieser Rezension gehören, aufgerufen, dafür zu sorgen, das Erbe, das sie von den Antifaschisten 1945 übernommen hatten, zu bewahren und den Kindern und Enkeln weiterzugeben.

Finker selbst schreibt zu dieser Aufgabe resümierend am Schluss seiner Studie, die so viele nutzvolle Anregungen für antifaschistische Traditionsarbeit der Gegenwart und Zukunft enthält: "Dass der Antifaschismus diskreditiert wurde, ist eine bittere Wahrheit, löscht aber nicht den Begriff aus dem historischen Vokabular. Eine konsequente kritische Selbstbesinnung kann und wird den Boden für den gerade heute so notwendigen erneuerten Antifaschismus bereiten, der als klassen- und ideologieübergreifende, demokratische und humanistische Bewegung zu verstehen ist!"